Jan 05

In den letzten Tagen habe ich mich (aus einer Art “aktuellem Anlaß”) wieder vermehrt mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Hierbei hat sich mir – wie schon früher öfter – die Frage gestellt, was ich im Krieg für einen Beitrag geleistet hätte.

Wäre ich ein Mitläufer gewesen, der – beflügelt durch mögliche Macht und Karrierechancen innerhalb der Wehrmacht oder NSDAP – alles andere ignoriert hätte? Der sein Gewissen verleugnet hätte und nur auf seinen eigenen Status bedacht gewesen wäre, frei nach dem Motto “mir gehts gut”? (Mir fällt dabei die Filmszene aus Schindlers Liste ein, wo die SS-Offiziere und Schindler an einem heißen Sommertag vor dem vollgepackten Juden-Zug sitzen und Eis essen, während drinnen die Leute bei 50°C in den Waggons verrecken.)

Wäre ich derjenige gewesen, der den Schlauch geholt und den Menschen im Zug ihre Qualen erleichtert hätte? Hätte ich Juden bei mir im Keller versteckt? Wäre ich gar im Untergrund aktiv geworden? Hätte mein Volk verraten und verletzt oder getötet, um ein anderes Schrägstrich mehrere zu schützen?

Oder hätte ich einfach weggeguckt? Auch auf meinen Vorteil bedacht, nämlich daß mir bloß nix passiere?

Ich versuche, mich mit der zweiten Variante zu beruhigen. Daß ich – in einem bescheidenen Rahmen – versucht hätte, verfolgten Menschen zu helfen. Aber ich bin kein Held, sondern ein Schisser. Und war gerade früher niemand, der weitreichende Konsequenzen seiner Handlungen berücksichtigt hätte.

Außerdem haben inzwischen viele Studien belegt, daß Menschen mit Macht über andere Menschen in den allermeisten Fällen nicht umgehen können und diese mißbrauchen.